Die Flora von Tschanüff - Relikte aus dem Schlossgarten und Spezialisten in einem Steppenklima

Tschanüff ist nicht nur aus historischer und denkmalschützerischer Sicht etwas Besonderes. Auch die Pflanzen, die auf dem Burghügel und dessen Umgebung wachsen sind sehr speziell.
Eine schöne Schwertlinie, die schmutziggelbe Schwertlilie (Iris squalens, romanisch Gilgia dal chastè) kommt in den unzugänglichen Felswänden um Tschanüff vor und sonst nirgends in der Schweiz. Vor Jahren soll sie noch in der Umgebung der bischöflichen Residenz in Chur geblüht haben (Tschanüff war ja Besitz des Bischofs), heute jedoch ist sie da nicht mehr zu finden. Es ist anzunehmen, dass diese Pflanze einst im Garten der Burg angepflanzt wurde und dann verwilderte. Schwertlilien sind heute noch als Heilkraut bekannt und es wird gemunkelt, dass der Burgherr (und demzufolge wohl auch der Bischof) sie als wirkungsvolles Aphrodisiakum benutzten...
Eine weitere Rarität ist der südalpine Kugelinster (Genista radiata, romanisch Ginestra dal chastè). Ausser in der Umgebung der Ruine kommt er in der Schweiz nur noch im mittleren Wallis vor.
Die trockenheitsliebende, fast schon steppenartige Vegetation im Gebiet um Ramosch ist für die Schweiz einzigartig. Aehnliche Verhältnisse sind nur noch im Wallis anzutreffen.



Wie an vielen anderen extremen Standorten wurde auch in der Umgebung der Ruine die landwirtschaftliche Nutzung extensiviert. Die Vegetation entwickelt sich weiter; zuerst neh-men verschiedenen Büsche wie Berberitze, Schwarzdorn, Weissdorn und Kreuzdorn überhand. Ueber kurz oder lang wachsen im Schutz der Sträucher auch Bäume. Um die einzigartige Flora zu erhalten, muss diese Entwicklung unterbrochen werden, die Büsche müssen gerodet werden, eine intensiverer Beweidung ist wieder anzustreben.

Durch die Bauarbeiten an der Ruine, die in den nächsten Jahren für die Erhaltung unvermeidlich sein werden, stellt sich ein weiteres Problem: Viele der empfindlichen Pflanzen könnten zerstört oder sogar ausgerottet werden. Voraussichtlich wird es notwendig sein, gewisse Pflanzen an einen sicheren Ort zu expatriieren und nach Abschluss der Bauarbeiten zu repatriieren.